14.08.2026

Umso mehr, umso besser?

Liebe Hörspielfans,

"Du arbeitest mit WAS?", "Es gibt Leute, die DAS anschauen?" – diese Fragen muss ich mir als Sprachwissenschaftlerin des Öfteren anhören, wenn ich von meinen Ergebnissen zu Mukbang-Videos berichte.

Vor mehr als zehn Jahren bin ich den Essensshows der Superlative während eines Forschungsaufenthalts in Südkorea zum ersten Mal begegnet – kein Wunder, als Geburtsort des Genres. Für mich besonders faszinierend: die Wandlung von Live-Show zu aufgezeichneter Sendung, inklusive simuliertem Gesprächspartner.

Die Forschung zeigt, dass in Mukbang sprachliche Merkmale von Unterhaltungen, wie z.B. bestimmte Pronomen, sogar häufiger vorkommen als in 'realen' Gesprächen. Der in den Videos gezeigte Exzess beschränkt sich also nicht nur auf das Essen, sondern zeigt sich auch auf der sprachlichen Ebene. Viele Zuschauer*innen fühlen sich hierdurch angesprochen und bauen eine emotionale Verbindung zu den Performern auf.

Egal ob Sie das Internet-Phänomen skurril oder unterhaltsam finden, faszinierend ist es allemal. Ich wünsche viel Freude mit "Mukbangers. Wir fressen, ihr liked!"!

Sofia Rüdiger
Sprachwissenschaftlerin, Freie Universität Berlin

Mukbangers. Wir fressen, ihr liked!

Detailaufnahme einer geschminkten jungen Frau, die gierig in einen knusprig panierten Hähnchenschenkel.
Absurde Fressorgie im Netz 
Riesige Mengen Trendfood essen, während Millionen dabei zuschauen: Auch die Mukbang-Stars Rio Avocado und Kim Chiee sind Teil dieses Internetphänomens und schlagen sich in ihrem Livestream Eat! die Bäuche voll. Von Delfinsushi über literweise Matcha-Mate-Cola bis zur Harzer Käseplatte XXXL werden die Teller blank geschleckt. Aber was passiert, wenn der Hunger nach Aufmerksamkeit größer wird als der echte - und was ist hier eigentlich noch real?
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Mehr Geschichten mit Korea-Bezug:

Peeling Oranges

Zwei Hände schälen eine Mandarine, deren Fruchtfleisch und Schale in den Farben Rot, Weiß und Blau gestaltet sind. Ein Stück der orangefarbenen Schale hängt nach unten. Im Hintergrund ist eine graue Fläche zu sehen, überlagert von Elementen der südkoreanischen Flagge mit schwarzen Trigrammen und roten Bereichen.
Koreanisches Leben in den USA
In einem kleinen Dorf in Oregon lebt die alleinerziehende, von ihrem amerikanischen Mann verlassene südkoreanische Umma mit ihrer Tochter Luna, die kurz vor dem College-Abschluss steht. Mit der Rückkehr von Jae, der älteren Tochter, die vor 10 Jahren die Familie verlassen hat, werden alte und neue Konflikte virulent, darunter die Entfremdung der Töchter von ihrer Mutter oder das Schuldgefühl Ummas, Korea und ihre Mutter für eine vage Hoffnung nach freiem Leben verlassen zu haben.

Kim Hye-jin: Die Tochter

Rückenansicht einer dunkelhaarigen Frau in weißem T-Shirt.
Queere Liebe prallt auf alte Werte
Seit Jahren teilen Mutter und Tochter wenig mehr als ein wortkarges Mittagessen pro Woche. Zwischen ihren Nudelschalen türmt sich ein Berg aus Ungesagtem. Die Mutter, Pflegerin im Seniorenheim, führt ein bescheidenes Leben. Ihre Tochter hat einen anderen Weg gewählt: Sie hat keinen Mann, kaum Einkommen - und liebt eine Frau. Als das Paar bei der Mutter einziehen muss, prallen die radikal verschiedenen Lebensentwürfe aufeinander.
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Wieder online:

Identitti von Mithu Sanyal

Illustration der hinduistischen Göttin Kali mit mehreren Armen vor violettem Ornamenthintergrund; darüber der Titel „IDENTITTI“.
Skandal um gefakte PoC-Identität
Die 26-jährige Studentin Nivedita betreibt den Blog "Identitti", als für sie plötzlich die Welt zusammenbricht: Ihre Lehrerin, ihr Idol Saraswati ist - weiß! Die Professorin mit ihren Pop-Postkolonialismus-Studien ist purer Fake, WTF!
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Thema nächste Woche:

Person geht durch Lagerhalle voller Kartons, überlagert von Silhouette und Regalreihen im Licht.
Cheap Dreams - Satire über Turbo-Konsum und Warten
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